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Limow

Street Art, hybride Fabelwesen und unheimliche Beziehungen Mensch-Tier.

Von Maria Pospiech

LIMOW ist einer der 40 Künstler, die von der Vernissage-Jury ausgewählt wurden, um auf der diesjährigen Künstlermesse im Schloss Schwetzingen am 19. und 20. September 2015 ihre neuesten Werke auszustellen.

LIMOW ist die Abkürzung für „Living in my own world“, und als solche das Pseudonym für einen 33jährigen Spanier, der sich in den letzten Jahren als Street Art-Künstler europaweit einen Namen gemacht hat. LIMOW (seinen wirklichen Namen gibt er gemäß dem Ehrencodex der Street Art Künstler nicht preis) lebt in Barcelona und entwickelt von dort aus urbane Projekte, bei denen er mystisch-unheimliche Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier, in surreale Landschaften einbettet. Nicht selten bemalt er so ganze Häuserfronten, meist mit Einwilligung der kunstsinnigen Eigentümer. Dabei ist bei aller Spontaneität nicht zu übersehen, dass LIMOW seinen einfachen, und zugleich ausdrucksstarken Pinselstrich von der Picke auf gelernt hat, unter anderem als Absolvent der Belles Artes an der Universität Granada. So entstand ein eigener, minimal-barocker Stil.

Auf der Vernissage Künstlermesse 2015 im Schwetzinger Schloss stellt LIMOW Gemälde und Zeichnungen aus seinem neuesten Arbeitszyklus „a forest“ aus: Hybride Wesen, gefährlich und freundlich zugleich, bevölkern surreale Kunstwelten, ganz so als wären nicht wir, sondern sie die Norm. Erkennt der flüchtige Beobachter nach unten verlaufende Farbklekse, bekommen diese im LIMOW-Bildkontext eine eigene Bedeutung als Regen, nach dem es seine Fabelwesen schon lange gedürstet hat, strecken sie ihm doch erwartungsvoll ihre maskenhafte Köpfe entgegen.

Um solche Wirkungen zu erzeugen benutzt LIMOW für seine Arbeiten Heftklammern, Filter und Nadeln, die er kaum merklich in die Leinwand einarbeitet. Sind die rauchenden Schlote Teil eines Fabrikgebäudes, oder verweisen sie auf eine bizarre Natur/Stadtlandschaft, die es neu zu entdecken gilt? Zu entdecken mit Hilfe von LIMOWs eigenwilliger Formensprache, die uns zugleich irritiert und in unheimlichen Welten heimisch macht. Die Frage, ob LIMOWs Arbeiten einem gesellschaftskritischen Impetus folgen, oder aus der Freude an neuer Formgebung entstehen, erweist sich so als Relikt aus der Zeit des Schubladendenkens, das gerade von solchen Künstlern ad absurdum geführt wird.

Statt in Schubladen zu versauern, führt uns LIMOW auf die offene, sich stets neu
erfindende Staße – Street Art at its best.